Lebensraum bewahren Hintergründe zur Initiative
Natur bewusst erleben ist eine Initiative im Kleinwalsertal mit dem Ziel, dem Wert der Natur für den Menschen mehr Gewicht und Gehör zu schenken. Dazu setzt sie auf zwei Schwerpunkte: die Lenkung Erholungssuchender und Freizeitsportler sowie die Sensibilisierung und Wissensvermittlung.
Denn die Natur ist so viel mehr als die Kulisse für unvergessliche Bergerlebnisse. Sie ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Sie stellt Trinkwasser bereit und versorgt uns mit hochwertigen Lebensmitteln. Nicht nur liefert sie wertvolle Rohstoffe wie Holz, sondern sie schützt auch vor Lawinen und Muren und reguliert das Klima.
Bei Fragen und Anregungen zu Natur bewusst erleben wende Dich an: nbe@kleinwalsertal.com
Mehr Informationen zu den Hintergründen der Initiative findest Du auf der Seite der Gemeinde Mittelberg.
Jeder kann mithelfen! so kannst Du einen Beitrag leisten
Eines steht fest, gemeinsam können wir mehr erreichen. Mit etwas Rücksicht und ein paar Tipps hinterlässt Deine nächste Auszeit beim Wandern oder Biken, beim Ski- oder Schneeschuhtouren gehen kleinere Spuren.
- Respektvoll in der Natur: Bleibe auf markierten Wegen und Routen, vermeide Dämmerungs- und Nachtzeiten, nimm Deinen Müll mit, informiere Dich über Tipps auf der Naturtoilette und was für Deinen vierbeinigen Freund gilt.
- Bewusst miteinander: Nimm Rücksicht auf Mitmenschen, schätze das Zusammenspiel aus Kultur- und Naturlandschaft.
- Weitsichtig erleben: Plane Deine Touren sorgfältig und gewissenhaft.
Infos & Tipps für dich Entdecke Natur bewusst Erleben
Alles was man beachten muss Wichtige Infos für die Tourenplanung
Im Einklang mit der Natur Tourentipps im sommer
Man lernt nie aus! Schon Gewusst?
Walser Wasser fließt ins Schwarze Meer
Eine Wasserscheide ist die Grenze zwischen verschiedenen Wassereinzugsgebieten. Vereinfacht gesagt bestimmt sie, in welche Richtung Flüsse, Bäche und kleine Rinnsale abfließen und in welchem größeren Flusssystem ihr Wasser schließlich landet.
Die Europäische Wasserscheide trennt die Zuflüsse zum Atlantik von jenen zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meer. Sie zieht sich von Gibraltar bis nach Russland quer durch Europa. Ein Teil dieser Linie verläuft auch am Kleinwalsertal entlang: über die Höferspitze und den Grat bis zur Güntlispitze, weiter über das Grünhorn und den Gerachsattel. Auch der Gipfel des Ifen liegt an der Grenze zwischen den Einzugsgebieten von Rhein und Donau.
Der größte Teil der Gewässer Vorarlbergs fließt in den Rhein und damit weiter in Richtung Nordsee beziehungsweise Atlantik. Das Wasser des Kleinwalsertals nimmt hingegen einen anderen Weg: Über die Breitach gelangt es in die Donau und schließlich bis ins weit entfernte Schwarze Meer. Auch das Quellgebiet des Lechs beim Formarinsee entwässert über das Lechtal in die Donau.
Die Vorstellung, dass Wasser aus unserem Tal einen so weiten Weg Richtung Osten zurücklegt, während ein Großteil des Wassers im restlichen Vorarlberg in die entgegengesetzte Richtung fließt, ist durchaus erstaunlich. Schon früh lernt man, dass der Rhein in die Nordsee und die Donau ins Schwarze Meer fließt. Weniger bewusst ist uns, dass beide auf ihrem Weg von unzähligen kleinen Gewässern gespeist werden, auch von Bächen wie unseren im Kleinwalsertal.
Maulwurf, Tunnelgräber mit erstaunlichen Fähigkeiten
Den ein oder anderen Gartenbesitzer mögen die Erdhügel in der Rasenfläche lästig erscheinen, doch schaut man genauer unter die Oberfläche zu den kleinen Vielfraßen, entdeckt man nützliche Vorteile.
Maulwürfe durchpflügen durch ihren Tunnelbau unsere Erde und belüften sie damit hervorragend. Sie selbst können dank hohem Hämoglobingehalt im Blut mit wenig Sauerstoff unter der Erde lange auskommen. In ihren langen Tunnelsystemen sind die fleißigen Buddler ständig auf Nahrungssuche und vertilgen täglich ihr eigenes Körpergewicht in Regenwürmern, Insekten und Larven. An Wurzeln oder anderem vegetarischen vergreifen sie sich dabei nie, sondern halten uns eher die Schädlinge vom Hals, die dafür verantwortlich sind.
Die flauschigen Tiere haben sich perfekt an das Leben unter der Erde angepasst. Sie können Nase und Mund beim Graben mit Hautfalten verschließen und auch ihre Ohren und Augen liegen tief im Fell, sodass keine Erde oder Sand hineingelangen. Fast blind, aber mit hervorragendem Tast- und Gehörsinn bekommen sie jedes Eindringen von Beute im bis zu 2 km langen Tunnelsystem mit. Mit ihrem strichlosen Pelz bewegen sie sich vorwärts und rückwärts durch die Erde und die kräftigen Grabhände schaufeln das ganze Jahr hindurch, da Maulwürfe keinen Winterschlaf halten. Um durch die kalte Jahreszeit zu kommen, graben sie noch tiefer und legen Vorratskammern mit Regenwürmern an, denen sie das Vorderteil abbeißen, um sie lebendig und damit haltbar zu halten.
Leider findet man aktuell tote Maulwürfe am Wegesrand, da sie in der trockenen Erde zu wenig Nahrung finden und die Tiere schlicht verhungern.
Elstern – diebische Krächzer oder schlaue Eltern?
Die schwarz-weißen, lauten Vögel aus der Familie der Rabenvögel kennt wohl jedes Kind. Auch ihr Ruf als Dieb, der gern Glitzerndes stiehlt, ist weit verbreitet. Doch die Elster ist ein spannender und vor allen Dingen intelligenter Vogel, der uns Menschen als Kulturfolger häufiger begegnet.
Die Elsternpaare bleiben oft ein Leben lang zusammen und sind durchaus liebevoll miteinander, wobei sie ihre Brut mit allem was sie haben auch gegen größere Rivalen lautstark verteidigen. Ihre Nester bauen sie gern kunstvoll und sogar mit Dach in hohe Bäume. Oft werden sie viele Jahre genutzt, wenn sie nicht gerade anderen Vogelarten wie der Waldohreule als Brutplatz dienen. Da ab und an auch mal ein Stück Draht o.ä. für den Nestbau verwendet wird, könnte man auf den Gedanken kommen, die Elster lässt sich für Glitzerndes begeistern, was sich jedoch nach Forschungen als Mythos herausstellte.
Ebenfalls nicht bestätigt hat sich das Gerücht des Rückgangs von kleineren Singvögeln durch deren Eierraub. Zwar kommt es vor, dass neben Insekten, Larven und Samen auch mal das eine oder andere Vogelei gefressen wird, jedoch nicht in signifikantem Ausmaß und ohne Auswirkungen auf die Artenzahlen.
Die schlanken Vögel mit dem metallischen Glanz im Gefieder und dem langen Schwanz sind also besser als ihr Ruf und so smart, dass sie sich sogar selbst im Spiegel erkennen können.
Flugakrobaten über deinem Hausdach – der Rotmilan
Wer sich wundert, welcher große Vogel im Flug gerade einen Schatten über den Hang geworfen hat, hat vermutlich einen Rotmilan über sich. Die eleganten Flugkünstler sind in dieser Jahreszeit sehr gut über den sich erwärmenden Sonnenhängen und über unseren Ortschaften zu beobachten.
Rotmilane sind nach Bartgeier und Steinadler die größten Greifvögel in unserer Region - gut zu erkennen an ihrer rotbraunen Grundfärbung und den dunkleren Armschwingen mit großen hellen Flecken in den sogenannten Handschwingen. Am markantesten ist aber ihr gegabelter Schwanz, mit dem sie ihre Flugmanöver steuern. Durch diesen und ihre Größe - ihre Spannweite kann bis zu 1,95m betragen - sind sie vom kleineren Schwarzmilan gut zu unterscheiden.
Zur bevorzugten Beute gehören Kleinsäuger, Amphibien und auch Vögel, die sie sogar akrobatisch im Flug erbeuten können. Aber auch Insekten, Aas oder mal ein Junghase stehen auf auch dem Speiseplan der Nahrung-Allrounder. Sie sind wendige Jäger und gehören zu einer der wenigen Vogelarten, die fast ausschließlich auf dem Europäischen Kontinent zu finden ist.
Wer einen Rotmilan beobachten möchte, kann an sonnigen Tagen den Himmel über Wiesen, Weiden, lichten Wäldern und Waldrändern absuchen. Auch auf hohen, älteren Bäumen sitzend oder über Ortschaften segelnd kann man ihn vom Balkon oder Garten aus entdecken.
Pelz tragen ist wieder in – aber nur für die Hummel
Am Wochenende beginnt der astronomische Frühling, dessen Beginn durch die erste Tag-und-Nacht-Gleiche des Jahres festgelegt ist. Die Dauer des lichten Tages wird wieder länger als die Nacht und die Temperaturen steigen merklich an. Üblicherweise sind in dieser Zeit die ersten Insekten zu beobachten - allen voran die Hummeln. An die 25 Arten der gemütlich wirkenden Brummer kann man bei uns im Kleinwalsertal beobachten.
Sie gehören zu den Wildbienen und sind echte Spezialistinnen, wenn es um das Fliegen in höheren Lagen und bei niedrigen Temperaturen geht. Durch ihren Pelz und die besondere Fähigkeit des Muskelzitterns können die Tiere sich selbst und ihren Nachwuchs, anders als die meisten Insekten, auch bei kalten Temperaturen warmhalten. Sollte es im Sommer dagegen zu warm werden, können sie ihren Körper beim Fliegen sogar herunterkühlen.
Hummeln sind maßgeblich für die Bestäubung und damit den Erhalt vieler Blütenpflanzen verantwortlich. Besonders gern haben sie im Frühjahr Zugang zu den Weidekätzchen, weshalb diese besser nicht gesammelt werden sollten. In ihrem Pelz und dem „Pollenhöschen“ bleiben viele Pollen hängen und ihr Fleiß, schon früh im Jahr, sorgt für Blumennachschub auch hoch oben auf unseren Alpwiesen. Da die verschiedenen Arten durch verschiedenlange Nektarsaugrüssel jeweils andere Blüten anfliegen, wird auch die entlegenste Nische durch die Hummel abgedeckt. Ein Hummelvolk lebt einen Sommer lang und nur die Königinnen überwintern unter anderem in alten Mauselöchern und Erdhöhlen.
Das weit verbreitete Gerücht, dass Hummeln nicht stechen können, hält sich hartnäckig. Sie sind aber selten aggressiv und nutzen ihren Stachel nur im äußersten Notfall.